Europäische Lösungen gegen Energiearmut

news

Energie ist ein wesentlicher Bestandteil in der Entwicklung unserer Wirtschaft und Lebensqualität. Für Menschen, die keine Energie zur Verfügung haben, ist das Leben nicht ganz so einfach. Es gibt erwiesene Verbindungen zwischen Energiearmut und Bildung, Gesundheitsproblemen und sanitären Einrichtungen und Komfort.

Energiearmut ist ein Thema, das hauptsächlich Menschen in Entwicklungsländern betrifft. Trotzdem ist es auch ein Thema, das wir hier in Europa angehen müssen. Es ist schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln. Nach Angaben der französischen Spezialisten von RAPPEL, die sich gegen Energiearmut einsetzen, leben momentan zwischen 50 und 125 Millionen Menschen in Europa in Energiearmut.

Um diese Situation zu verbessern, wurden in Europa diverse Initiativen ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Zahl der Menschen, die unter Energiearmut leiden, zu verringern. Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze der einzelnen Länder, soll dieser Artikel einen Vergleich der möglichen Lösungen gegen Energiearmut darstellen. Zusätzlich haben wir auch die außereuropäischen Staaten Türkei und Japan in die Studie aufgenommen, um eine breitere Perspektive zu bekommen.

Energiearmut?

Energiearmut

Gegenwärtig gibt es nur vier Länder in der Europäischen Union, die den Begriff "Energiearmut" offiziell definiert haben. Das sind: das Vereinigte Königreich, Irland, Frankreich und Zypern, die jedoch allesamt unterschiedliche Definitionen festlegen. Für den Großteil der Länder, die das Konzept noch nicht offiziell definiert haben, ist der Ansatz jedoch viel allgemeiner. In Österreich beispielsweise werden alle Unterkategorien, die unter dem Begriff "Armut" zusammengefasst sind, gleich behandelt, da alle Aspekte des Lebens, nicht nur die Energie, für die Verbesserung der Lebensqualität relevant sind. Auf der anderen Seite zielt das Vereinigte Königreich zum Beispiel auf jede einzelne Art von Armut mit Hilfeleistungen ab, die speziell auf bestimmte Lebensbereiche ausgerichtet sind.

Laut der britischen Regulierungsbehörde OFGEM gibt es drei Hauptpfeiler, auf denen der Begriff "Energiearmut" basiert. Das sind: Haushaltseinkommen, Haushaltsenergieanforderungen und Treibstoffpreise. Im Vereinigten Königreich sind Menschen im Allgemeinen als energiearm kategorisiert, wenn sie mehr als 10% ihres Haushaltseinkommens für ihren Energiebedarf ausgeben.

Auch wenn wir nicht auf eine einheitliche Definition für den gesamten Kontinent bestehen können, werden wir die verfügbaren Optionen im Hinblick auf Unterstützung und Förderungen für diejenigen, die sich aufgrund ihrer Energierechnungen in einer finanziell schwierigen Lage befinden, untersuchen.

Energiearmut in Europa: eine unterschiedliche Landschaft

Flagge Grossbritannien

Großbritannien

Aufgrund der zerstückelten Messung lässt sich nur schwer bestimmen, wie viele Menschen in Großbritannien in Energiearmut leben. Laut den aktuellsten Statistiken, die von der Regierung in England, Schottland und Wales veröffentlicht wurden, leben rund 3,3 Millionen Menschen in einer Form von Energiearmut. Das entspricht etwa 10% der Einwohner in England, 30,7% in Schottland und 23% in Wales. In Anbetracht des durchschnittlichen nationalen Lohns von 27.777 £ machen die Energierechnungen, mit durchschnittlichen Kosten von 1.135 £, rund 5,01% des Lohns aus.

Sozialtarife

Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern gibt es streng genommen keine Sozialtarife. Es werden in bestimmten Bereichen Beihilfen gewählt, wie zum Beispiel in Form saisonaler Rabatte oder in Form von Schuldentilgungsplänen. Diese richten sich an Menschen, die in finanziell schwierigen Situationen und unter besonderen persönlichen Umständen leben.

Zukunftspläne

Nach ihrer kürzlichen Blitzwahl sagte Theresa May zu, die Standardtarife preislich nach oben zu begrenzen. Der Plan: “arbeitende Familie zu unterstützen”, mit einer möglichen Einsparung von bis zu £100 pro Jahr.

Kaltwetter-Zahlung

Temporäre Unterstützung bietet die Regierung in Zeiten drastischer Kälte an, für jene, die Schwierigkeiten haben ihre Heizkosten zu bezahlen. Wenn die Durchschnittstemperatur an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 0 Grad liegt, können einkommensschwache Haushalte £25 Heizkostenzuschuss erhalten.

Warm Home Discount

Eine weitere zeitliche Beihilferegelung ist der Warm Home Discount, ein Rabatt, der helfen soll, die Heizkosten im Winter zu decken. Es gelten ähnliche Anspruchsvoraussetzungen wie für die Kaltwetter-Zahlung.

Flagge Frankreich

Frankreich

Laut dem 2016 erschienenen Bericht des ONPE - der französischen nationalen Beobachtungsstelle für Energiearmut - haben mehr als 18% der Franzosen, das sind rund 12 Millionen, erhebliche Schwierigkeiten ihre Gas- und Stromrechnungen zu bezahlen.

Sozialtarife

In Frankreich gibt es Sondertarife für jene, die die Voraussetzungen einer Ermäßigung des Standardtarifs erfüllen. Die Reduzierung kann je nach Haushalt bis zu € 185 pro Jahr betragen.

Zukunftspläne 2018: Energiegutscheine

Im Jahr 2018 plant die Regierung die Aufhebung von Sozialtarifen, die stattdessen durch Energiegutscheine ersetzt werden sollen. Dabei handelt es sich um ein Rabattsystem. Haushalte bekommen nach ihrer Steuererklärung automatisch einen Pauschalrabatt auf ihre Energierechnung. Die Ausstellung der Gutscheine erfolgt nach bestimmten Kriterien. Ein Gutschein beläuft sich pro Jahr auf bis zu € 227.

Solidaritätsfonds für den Wohnungsbau

Der Solidaritätsfond für den Wohnungsbau wurde in jedem französischen Wahlkreis eingeführt, um Haushalten mit knappen finanziellen Mitteln Unterstützung in Form von Darlehen, Zuschüssen und Garantieleistungen zu bieten. Die Kriterien hierfür können je nach Wahlkreis variieren.

Winterpause

Vom 1. November bis 31. März ist es Energieanbietern nicht erlaubt den Strom- und Gasanschluss ihrer KundInnen zu unterbrechen, auch wenn diese ihre Rechnungen nicht bezahlt haben.

Flagge Spanien

Spanien

Nach Angaben des "Verbandes der Umweltwissenschaften" hatten 11% der spanischen Haushalte (rund 5 Millionen Menschen) im Jahr 2016 Probleme, ihre Wohnung ausreichend zu heizen. Obwohl die Vorstellung besteht, dass in Spanien ein angenehmes Klima herrscht, sind die Winter in einigen Teilen des Landes genauso kalt wie in Großbritannien und mitunter sogar noch kälter. Die Temperaturen im Norden des Landes wurden mit bis zu -32°C dokumentiert. Die Kälte ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem spanische Haushalte konfrontiert sind: In vielen Haushalten in südlichen und zentralen Regionen des Landes ist wegen der heißen Sommertemperaturen mit über 40°C die Nutzung einer Klimaanlage unverzichtbar.

Der Bono Social

Der Bono Social ist eine vorbeugende Maßnahme für gefährdete spanische Haushalte. Es wird ein Rabatt in der Höhe von 25-40% auf die Stromrechnungen gewährt, der aber nicht für andere Heizungsarten wie Gas oder Heizöl gilt.

Keine Stromabschaltung

Haushalten in einer schutzbedürftigen Situation, die von staatlichen Sozialleistungen unterstützt werden, darf der Stromzugang unter keinen Umständen gestrichen werden.

Flagge Portugal

Portugal

Vor jeglicher Wirtschaftshilfe lag die Armutsgefährdungsquote in Portugal im Jahr 2015 bei 46,1%. Portugal weist die niedrigsten Löhne in Europa auf. Verbindet man dies mit den fünftteuersten Strompreisen auf dem Kontinent, ist es nicht erstaunlich, dass portugiesische Haushalte Probleme haben, ihre Rechnungen zu bezahlen.

Wenn man den nationalen Durchschnittslohn berücksichtigt, hat Portugal, Eurostat-Daten zufolge, die höchsten Energierechnungen in Europa. Etwa 6% des durchschnittlichen Familieneinkommens fließen in die Energiekosten.

Sozialtarife

Erfreulicherweise hat Portugal umfangreiche Rabatte in Form von Sozialtarifen eingeführt. Diese können zu einem Rabatt von bis zu 33,8% auf Strom- und 31,2% auf Gasrechnungen führen.

Derzeit haben nur 5% der portugiesischen Haushalte Zugang zu Sozialtarifen. Dies ist vor allem auf das gering ausgebaute Verteilungsnetz zurückzuführen, welches den Zugang einer großen Anzahl von Haushalten verhindert. Das bedeutet, dass viele gezwungen sind, auf alternative Brennstoffe wie Butan und Propan zurückgreifen, welche jedoch wesentlich teurer sind und nicht in die Kriterien der Sozialtarife fallen.

Flagge Oesterreich

Österreich

Laut der EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) leiden 3% der österreichischen Bevölkerung (268,000) unter Energiearmut. Im Durchschnitt geben Österreicher rund €137 pro Monat für ihre Energierechnung aus, was ca. 4,7% der monatlichen Ausgaben darstellt (2012 Statistik Austria Report).

Trotz Marktliberalisierung weitere Regularisierung

Die Liberalisierung des österreichischen Energiemarktes war mitunter die erste Maßnahme, um dem Preismonopol der regionalen Energieanbieter entgegenzuwirken. Trotz Marktliberalisierung wird der österreichische Markt in einigen Aspekten reguliert, zum Beispiel im Bereich Energiezufuhr, um einkommensschwache Haushalte vor einer eventuellen Strom- und Gasabschaltung zu schützen. Derzeit haben Konsumenten die Möglichkeit ihren Standardstromzähler mit einem Prepaid-Zähler einzutauschen. Diese Maßnahme soll Haushalten mit Zahlungsschwierigkeiten davor bewahren, Schuldenberge bei Energieanbietern anzuhäufen.

Keine finanzielle Unterstützung auf nationaler Ebene

Derzeit gibt es in Österreich keine finanzielle Unterstützung auf nationaler Ebene. Armut ist in Österreich ein allumfassendes Konzept, Energiearmut hat dahingehend keine unabhängige Definition. Lösungsansätze werden auf regionaler Ebene zur Verfügung gestellt durch Bundesländer, Gemeinden, Hilfsorganisationen, Sozialversicherungsanstalten sowie der Privatwirtschaft.

Flagge Italien

Italien

Nach Angaben des nationalen Statistik Instituts (ISTAT) betrifft Energiearmut zwischen 5 und 20% der italienischen Haushalte.

Soziale Ermäßigungen

Um die Energiearmut zu senken, hat die Regierung im Jahr 2009 einen Rabatttarif eingeführt, der Familien dabei helfen soll, ihre Energierechnung zu bezahlen. Derzeit stehen drei Arten von Ermäßigungen zur Verfügung: eine für Stromkunden mit geringem Einkommen, eine für Gaskunden mit geringem Einkommen und eine für Stromkunden unter besonderen medizinischen Umständen. Die drei Rabatte können zusammen ausbezahlt werden.

Die Ermäßigung wird monatlich direkt von der Energierechnung abgezogen. Sie kann, je nach individuellen Gegebenheiten, bis zu € 165 für Strom und € 266 für Gas betragen (jährlich). Für diesen Rabatttarif sind keine Maximalkosten pro Jahr festgelegt. Jedoch ist die Regelung derzeit nicht sehr bekannt. Weniger als die Hälfte der italienischen Haushalte, die Anspruch auf den Rabatttarif haben, profitieren momentan tatsächlich davon.

Flagge Belgien

Belgien

21% der belgischen Haushalte sind von Energiearmut betroffen, laut den Ergebnissen des Barometer Energiearmoede (2017).

Sozialrate

Dieser von der Regierung festgelegte Sozialtarif ist ein Vorzugstarif, der dem niedrigsten handelsüblichen Preis auf dem Markt entspricht. Kunden müssen wie bei den meisten Sozialtarifen auch hier bestimmte Kriterien erfüllen, um von ihm profitieren zu können.

Gesetz des geschützten Kunden

Jeder, der irgendeine Art von Schulden bei seinem Gas- und/oder Stromanbieter gesammelt hat, kann den Status eines geschützten Kunden beantragen, nachdem er von seinem Anbieter eine Mahnung erhalten hat. Wird die Satzung gewährt, so wird der Vertrag des Kunden vorübergehend ausgesetzt. Der Kunde kann folglich vom Sozialtarif profitieren. Nachdem die angesammelten Schulden erstattet sind, wird die Schutzmaßnahme aufgehoben. Der zuvor erstellte Vertrag ist wieder gültig. Wenn der Entschuldungsprozess länger als sechs Monate dauert, verliert der Kunde sein Recht auf den Vorzugstarif. Der Fall wird an das Vertriebsnetz weitergeleitet, durch welches weitere Gebühren erhoben werden.

Zahlungsunterstützung

Jeder, der Schwierigkeiten bei der Bezahlung seiner Energierechnung hat, kann eine Unterstützung beantragen, die auf Grundlage bestimmter Kriterien zugesagt oder abgelehnt wird. Die Unterstützung tritt in Form einer Rechnungsbegleichung in Kraft.

Flagge Türkei

Türkei

Die einheitliche Feststellung der Armutsgefährdungsquote kann, aufgrund der hohen Einkommensungleichheit in der Türkei, zu großen Schwierigkeiten in Bezug auf die Energiearmut führen. Bestimmte Regionen weisen eine besonders hohe Armutsgefährdungsquote auf, wie beispielsweise West-Marmara und Südostanatolien, wo voraussichtlich die höchste Energiearmut herrscht. In Haushalten mit niedrigem Einkommen, beispielsweise in Orten wie Bursa, Ankara und Kocaeli, fließen mehr als 10% des Einkommens allein in Gas.

Im Gegensatz zu vielen der bereits genannten europäischen Beispiele geht die türkische Regierung nicht auf das Problem der Energiearmut ein. Es gibt jedoch einige regionale Initiativen, die gegen einige Bereiche vorgehen. In bestimmten Regionen, die eine hohe Armutsrate aufweisen, wird ein kleiner Rabatt von 0,65% gewährt, in der Hoffnung einen Teil der Energiearmut der Region zu mildern. Eine weitere Hilfsplattform ist das Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen, welches Kohle an bedürftige Haushalte verteilt, um ihnen Unterstützung bei der Deckung der Heizkosten zu bieten.

Flagge Japan

Japan

Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales leben 13,9% der Japanischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Zahlen zum Anteil der Energiearmut gibt es jedoch keine.

Sozialtarife

Sozialtarife wie in weiten Teilen Europas gibt es nicht, jedoch werden progressive Tarife angeboten: Haushalte mit geringem Energieverbrauch zahlen weniger pro kWh. Der Grund: Es wird ein Zusammenhang zwischen niedrigem Verbrauch und geringem Einkommen angenommen.

Man könnte annehmen, dass die Tarifaufsichtsbehörden bereits die Existenz der Energiearmut erkannt haben.Trotzdem gibt es viele kontroverse Diskussionen darüber, ob dieses System tatsächlich effektiv ist oder nicht. Die strenge Kategorisierung ist nicht immer effektiv und bestraft in erster Linie Familien mit niedrigem Einkommen, die gezwungen sind, besonders wenig Energie zu verbrauchen, um nicht in eine höhere Preisklasse zu fallen.

Viele sind der Meinung, dass die vage Definition der Energiearmut genauer überdacht werden muss und eine Neustrukturierung der aktuell äußerst komplexen Stromtarife erforderlich ist.

Staatliches Fürsorgesystem

Obwohl Sozialtarife nicht wirklich existieren, gibt es eine Methode, durch die bedürftige Familien Hilfe von den Behörden erhalten können. Das staatliche Fürsorgesystem unterstützt Haushalte, die Schwierigkeiten haben ihre Energierechnungen zu bezahlen. Diese Unterstützung variiert in jeder Region und unterliegt einer Reihe von Auswahlkriterien.

Lösungsansätze Energiearmut

Zurück zu Österreich: Problemstellung und Lösungsansätze

Das Konzept von Energiearmut in Österreich

Laut einer EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) Umfrage waren rund 2.6% (219 000) der österreichischen Bevölkerung im Jahr 2011 nicht imstande ihre Wohnung ausreichend warm zu halten. 2010 lag die Zahl bei 313 000 Personen (3,7%). 2014 sank die Zahl wieder auf 268 000 (3,1%). Diese Zahlen sind ein Indikator für den Verbreitungsgrad von Energiearmut in Österreich. Dennoch stellen sie keinen relevanten Maßstab dar, vor allem nicht hinsichtlich der Komplexität von Energiearmut. In lediglich 4 EU-Ländern wurde Energiearmut legislativ festgehalten (Großbritannien, Irland, Frankreich und Zypern), Österreich gehört nicht dazu. Österreich hat ein generalistischen Bezug zu Armut. Zum Vergleich: In Großbritannien gibt es legislativ verschiedene Formen von Armut. In diesem Sinne ist auch die Sozialhilfe in Großbritannien so aufgebaut, dass die finanziellen Hilfen bestimmten Bedürfnissen nachkommen, während in Österreich eher allgemeine Unterstützung zur Verfügung gestellt wird, mit der der Haushalt frei wirtschaften kann.

Da es keine vergleichbare Definition von Energiearmut in Österreich gibt, werden wir das Konzept von Energiearmut aus der Perspektive des Konsumenten analysieren: die finanziellen Schwierigkeiten, die es darstellt und auf welche Formen von Unterstützung der Konsument zurückgreifen kann.

Die Energiemarktliberalisierung von 2001 und dessen Bedeutung für Energiearmut

Im Durchschnitt geben Österreicher rund €137 pro Monat für ihre Energierechnung aus, was ca. 4,7% der monatlichen Ausgaben darstellt (2012 Statistik Austria Report). Die Liberalisierung des österreichischen Energiemarktes war mitunter die erste Maßnahme, um dem Preismonopol der regionalen Energieanbieter entgegenzuwirken.

Der Wettbewerb hat in Österreich inzwischen stark zugenommen. Derzeit ist es laut österreichischer Regulierungsbehörde E-Control für einen Durchschnittshaushalt möglich, bis zu 340 EUR/Jahr an Stromkosten zu sparen und bis zu 650 EUR/Jahr an Gaskosten. Voraussetzung ist der Wechsel zum günstigsten Anbieter. Das Einsparpotenzial ist hoch, steht aber nicht allen frei: Viele Energieanbieter führen, bevor sie Kunden annehmen, Kreditchecks durch. Für finanziell schwache Haushalte kann es schwierig sein, den Anbieter zu wechseln: Viele Energieanbieter verlangen bei früheren Zahlungsschwierigkeiten eine Kaution, bevor sie Kunden annehmen.

Regulierungen auf nationalem Level

Haushalte mit finanziellen Schwierigkeiten sind oftmals damit konfrontiert, dass ihnen die Energiezufuhr abgestellt wird. Zwei Gesetze bzw. Verordnungen sollen dagegen wirken:

  1. Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz 2010 (EIWOG 2010)
  2. Systemnutzungsentgelte -Verordnung 2012 (SNE-VO 2012)

Abschaltungskonditionen

Diese bewirken, dass Energieanbieter bestimmte Konditionen erfüllen müssen, bevor sie die Energiezufuhr kappen lassen können. Energieversorger müssen vor einer Abschaltung mindestens 2 Zahlungserinnerungen mit jeweils 2-wöchigem Intervall aussenden, der zweite Brief muss eingeschrieben gesendet werden. Im Brief muss klar erklärt werden, wann der Zähler abgeschalten wird, wenn keine Zahlung erfolgt. Der letzte Brief muss den Kunden außerdem über die Kosten der Abschaltung sowie der Wiederinbetriebnahme informieren. Darüber hinaus dürfen keine Sperrungen an Freitagen sowie öffentlichen Feiertagen stattfinden.

Das Grundversorgungsrecht

Darüber hinaus gibt es ein Recht zur Grundversorgung. Wenn ein Energieanbieter einem Kunden die Energiezufuhr abschalten möchte, kann der Kunde einmalig auf sein Grundversorgungsrecht bestehen. Der Kunde erhält in diesem Fall einen neuen, sogenannten Grundversorgungsvertrag. Er entspricht dem meistverkauften Tarif des Unternehmens. Das Recht auf Grundversorgung hat eine Zugangsbeschränkung: Um davon Gebrauch zu machen, muss zuerst eine Kaution in Höhe einer Monatsrate hinterlegt werden. Um weitere Abschaltungsdrohungen zu verhindern, muss der Kunde außerdem im Stande sein, die weiteren monatlichen Zahlungen zu decken. Das Recht auf Grundversorgung kann darüber hinaus noch mehrmals in Anspruch genommen werden. Es handelt sich daher primär um eine aufschiebende Funktion. Das Recht auf Grundversorgung ist bei jedem Anbieter gültig und tilgt zuvor entstandene Schulden nicht.

Prepaid-Zähler

Zu guter Letzt haben Konsumenten die Möglichkeit ihren Standardstromzähler mit einem Prepaid-Zähler einzutauschen. Dieser hat die gleiche Funktionsweise wie ein Prepaid-Mobilvertrag. Prepaid-Zähler sollen Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten davor schützen, Schuldenberge anzuhäufen.

Finanzielle Unterstützung auf regionaler Ebene

In Österreich gibt es keine finanzielle Unterstützung auf nationaler Ebene. Energiearmut wurde auf nationaler Ebene nicht definiert. Es sind hauptsächlich Länder, Gemeinden und private Institutionen in Kooperation mit Hilfsorganisationen, die hier finanzielle Abhilfe schaffen.

Energiekostenzuschuss: bundeslandabhängig

Die Höhe und Existenz von Energiekostenzuschüssen hängen stark vom jeweiligen Bundesland ab. Es handelt sich um einen einmaligen Zuschuss zwischen 120€ und 225€, der Haushalte mit niedrigem Einkommen während der harten Wintermonate aushelfen soll.

Lediglich Wien sieht ein anderes Unterstützungsmodell vor, bei dem keine fixe finanzielle Spritze ausgeschüttet wird, sondern Geräte mit hohem Verbrauch ausgetauscht werden, sodass der allgemeine Energiebedarf gesenkt wird. Zusätzlich ist es möglich, dass die MA40 ausnahmsweise Rechnungen übernimmt, die der Haushalt nicht tragen kann.

Sozialversicherungsanstalten

Die SVA unterstützt Selbstständige mit Bedarf mit 150 EUR einmaligem Energiekostenzuschuss.

Energieanbieter

Auch bei den Energieanbietern gibt es Unterschiede in dieser Hinsicht. Der Energieanbieter Verbund hat den Verbund-Stromhilfefonds der Caritas mitbegründet und unterstützt die Caritas dabei, der Energiearmut entgegenzuwirken.

Schuldnerberatungen

Zu guter Letzt können sich Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten an die ASB Schuldnerberatung wenden, eine Institution, die Schuldner berät und Möglichkeiten findet. Diese arbeiten auch mit karitativen Institutionen. Ihre Serviceleistung ist komplett kostenfrei.

Mithilfe eine nationalen Definition zu einer nationalen Lösung

Auf internationaler Ebene wird Energiearmut in Zusammenhang mit Indikatoren wie Energienotstand, energieeffizientem Bauen und Energieverbrauch gesehen. Da es in Österreich jedoch keine allumfassende Definition gibt, ist es nicht überraschend, dass es vergleichsweise wenig Lösungsansätze auf nationaler Ebene gibt, den Ursprüngen von Energiearmut proaktiv entgegenzuwirken. Zurzeit sind Lösungsansätze hauptsächlich auf Bundeslandebene verteilt und ähneln deutlich mehr temporären Lösungen und entbehren dahingehend jeglicher Nachhaltigkeit. Dennoch: Im internationalen Vergleich ist der Prozentsatz der Haushalte, die Ihre Wohnung nicht ausreichend heizen können mit 2,6 % niedrig.

Updated on