Strom & Gas heute noch anmelden !

0720 1166 39 Kostenloser Rückruf
Menu

You are here

TelDaFax Holding AG - Werdegang und Geschäftsmodell

Logo von der TelDaFax GmbH

Die mittlerweile insolvente Aktiengesellschaft TelDaFax Holding AG mit Sitz in Troisdorf war von 1998 bis 2011 in den Bereichen Telekommunikation, Touristik, Energieversorgung und Finanzdienstleistung tätig. Im Speziellen bediente TelDaFax mehr als 80.000 kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbstständige mit einer breiten Palette von Dienstleistungen, darunter vorinstallierte Festnetz-, Mobilfunk-, Internet- und Web-Hosting, virtuelle private Netzwerke und E-Commerce-Anwendungen. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Troisdorf, Deutschland.

Der Werdegang der TelDaFax Holding AG bis zur Insolvenz 2011

In seinen Anfängen 1998 war das Unternehmen noch als TelDaFax AG bekannt und spezialisierte sich auf Telekommunikation. 2001 ging die Firma insolvent. Zahlreiche deutsche und schweizer Investoren kauften verschiedene Unternehmen, die sich aus der Insolvenzmasse ergaben, auf und ermöglichten damit die Gründung der TelDaFax Holding AG im Jahr 2004, die sich aus der Zusammenführung der verschiedenen Unternehmen ergab. Dabei übernahm Michael Josten die Rolle des Vorstandsvorsitzenden. Ein Jahresumsatz von 12 Millionen Euro wurde erwirtschaftet.

Ab Februar 2007 begann TelDaFax mit dem Vertrieb von Strom. Es kam zu ersten Schwankungen, als Vorstandsvorsitzender Josten zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Josten gab daraufhin sein Amt als Vorstandsvorsitzender an Klaus Bath ab. Im Jahr 2008 wurden seitens des Hauptzollamtes Aachen erste Vollstreckungsmaßnahmen wegen Zahlungsverzögerungen bei der Stromsteuer gegen TelDaFax eingeleitet. Danach folgten mehrere Klagen von TelDaFax an den Bund der Energieverbraucher e.V., der vermehrt Insolvenzgerüchte laut werden ließ.

Letztlich forderte das Hauptzollamt Köln 18,8 Millionen Euro Stromsteuernachzahlung von TelDaFax, die das Unternehmen nicht begleichen konnte. Durch eine Einigung zwischen Bundesfinanzministerium und Insolvenzverwalter Dr. Bähr wurden 141 Millionen Euro von TelDaFax gefordert. Um die Insolvenzfalle hinauszuzögern, begann TelDaFax 2010 mit den Angeboten des "Sommerpaketes" und "Treuepaketes". Dabei wurde Strom noch günstiger angeboten und Bestandskunden wurden dazu animiert ihren Vertrag direkt zu verlängern: zu niedrigeren Preisen, aber gegen Vorauskasse. Zwar führte dies zu vorübergehenden Einnahmen, langfristig jedoch entstanden Verluste in hohem Ausmaß.

Zusammengefasst sah sich TelDaFax durch die Unfähigkeit die unterschiedlichen, teilweise sehr hoch ausfallenden Summen zu begleichen, dazu gezwungen, das Unternehmen aufzugeben und reichte somit am 14. Juni 2011 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn ein.

Geschäftsmodell: Tätigkeitsfelder, Produkte und Leistungen von TelDaFax

Durch die Öffnung der Strommärkte Ende der 90er Jahre entwickelte sich ein Preiswettbewerb der Anbieter. TelDaFax stach hervor und bot günstige Preise per Vorauszahlung an.

Tochtergesellschaften

  • Teldafax Energy GmbH - Boten seit 2007 Stromversorgungstarife an - Bezug zuerst über Electrabel und BKW FMB Energie, dann Ausuferung zu verschiedenen Energiehandelsunternehmen - Seit 2008 Angebot von Erdgas in ganz Deutschland - Übernahme der Firmen OMD und e-punkt - Bau eines Deponiegaskraftwerks nahe Minsk, seit 2009 in Betrieb --> Stromangebot für Verbraucher in Minsk
  • Teldafax Telecom GmbHEntwicklung und Vermarktung von Voice- und Daten Technologie - spezialisierten sich auf Wholesale- und Retail-Markt - bedienten über 11.600 Geschäfte in Deutschland und Österreich
  • Teldafax Services GmbH Konzentrierten sich auf Kundendienst, Auftragsbearbeitung, Qualitätssicherung der Dachgesellschaft und Kundenverwaltung
  • Teldafax Finance GmbH Boten Fonds, Kreditkarten und Versicherungen als Kooperationspartner externer Versicherungsanbieter an
  • Teldafax Marketing GmbH War für die Vermarktung und Repräsentation aller Teldafax Gruppen zuständig
  • Teldafax Dialog GmbH Kundendienstzentrum in Berlin

Der lange Weg zur Insolvenz

Der Stromdiscounter meldete 2011 Insolvenz an. Daraus ergaben sich hohe Geldverluste für rund eine halbe Million Kunden, da der Strom - durch das riskante Geschäftsmodell des Unternehmens - gegen eine Niedrigpreis-Garantie per Vorkasse bezahlt wurde. Im Klartext heißt das, dass der Strom von TelDaFax zu üblichen Preisen eingekauft und dann aber billiger an seine Kunden weiterverkauft wurde. Dadurch wuchs der Kundenstamm stetig an. Parallel wuchsen die Verluste. Um dieses Defizit auszugleichen, wurden von Kunden 1000€ als Vorauszahlung verlangt. Dieses Geschäftsmodell funktionierte, solange der Kundenstamm wuchs. 2008 stiegen die Strom-Einkaufspreise - Daraus ergaben sich die ersten Schwierigkeiten für TelDaFax, die nicht mehr ausgeglichen werden konnten. Der Insolvenzkurs von TelDaFax ging als einer der größten Firmenzusammenbrüche in die Geschichte der deutschen Wirtschaftsgeschichte ein.

Das Handelsblatt findet verschiedene Gründe für den Zusammenbruch von TelDaFax: die Dumpingstrategie, die fehlenden Bilanzen, die Zahlungsrückstände und nicht zuletzt auch die kriminelle Vergangenheit des ehemaligen TelDaFax-Vorstandsvorsitzenden Michael Josten. Sobald sie durchsickerte, verwehrten Geschäftsbanken ihre Lastschriftverfahren für die Stromanbieter.

Dem Insolvenzverwalter Dr. Bähr zufolge sollen etliche Geschäftspartner von der heiklen Situation des Unternehmens gewusst haben und dennoch Millionenbeiträge kassiert haben - Das ist insolvenzrechtlich unzulässig. Letztlich brachte Dr. Bähr es zustande 140 Millionen vereinnahmte Stromsteuer vom Hauptzollamt Köln zurückzugewinnen und 40 Millionen vom Finanzamt Siegburg. Gesellschaften des Energiekonzerns E.on überwiesen 55 Millionen an Dr. Bähr, womit er insgesamt über 250 Millionen zurückgewinnen konnte.

Die Manager von TelDaFax wurden wegen Verletzung von Buchführungspflichten, Bankrottdelikten, gewerbsmäßigem Betrug und Insolvenzverschleppung angeklagt. Nachdem die Anklage sich auf Insolvenzverschleppung und die Verletzung von Buchführungspflichten reduzierte, wurde Klaus Bath mit bis zu 16 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Gernot Koch kam ebenfalls auf Bewährung, mit dem Umfang von 11 Monaten Freiheitsentzug, frei. Josten war durch eine Geldzahlung von 20.000 Euro keiner Strafe ausgesetzt.

Der Verlust nochmal in Zahlen:

  • Wachstum brach um 75 Prozent ein
  • Schaden von 500 Millionen Euro
  • 656 Mio.€ Förderung von Gläubigern
  • 18.8 Mio.€ schuldete TelDaFax bereits 2008
  • 750.000 Gläubiger
  • Bereits mehr als 500.000 Forderungen zu Insolvenztabellen sind eingegangen
  • Verwertung des Vermögens wird erst nach 2020 vollständig abgeschlossen sein --> große Chance für Gläubiger 10 bis 20 Prozent ihres Geldes zurückzuerhalten
  • 8000 bis 10.000 Anrufe von unzufriedenen Kunden im Call-Center von TelDaFax
  • über 250 Mio.€ fordert der TelDaFax-Insolvenzverwalter Dr. Bähr von den Ämtern, Netzbetreibern und Energiekonzernen zurück

Die Insolvenz von TelDaFax kann als Exempel dafür herhalten, dass Dumpingpreise am Strommarkt für Kunden nicht immer die richtige Wahl sind. Insbesondere Tarife mit Vorauskasse sollten mit Vorsicht genossen werden.

 

Ihr Feedback ist uns wichtig Liebe User,
Obwohl der Inhalt dieser Seite nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und dargestellt worden ist, nimmt selectra.at keine Gewähr für die Richtigkeit der Daten. Wir bitten um Ihr Verständnis. Unser Team besteht aus Menschen und es kann immer zu kleinen Ausrutschern kommen. Feedback ist erwünscht! Bitte richten Sie jegliche Anmerkungen und Ergänzungen via E-Mail an content@selectra.at. Vielen Dank für Ihren Beitrag.

Teilen auf Facebook  Teilen auf Twitter  Teilen auf Google+